DGS: Förderung von großen Solarthermie-Prozesswärmeanlagen verbessern

Im Bild eine solare Prozesswärmeanlage, die Förderung von Solarthermie-Prozesswärmeanlagen sollte verbessert werden.Foto: Brauerei Rothaus
Die Brauerei Rothaus nutzt bereits Prozesswärme aus Solarthermie für den Brauprozess.
Die DGS fordert eine bessere Förderung von großen Solarthermie-Anlagen für die Prozesswärmebereitstellung. Das Sondervermögen für Klimaschutzmaßnahmen sollte auch dazu genutzt werden, Investitionen in Solarthermie auszulösen.

Die Deutsche Gesellschaft für Sonnenenergie (DGS) appelliert an die künftigen Regierungsparteien CDU/CSU und SPD, im Rahmen der Koalitionsverhandlungen große Solarthermie-Anlagen zur schnelleren Umsetzung der Wärmewende mit erneuerbaren Energien zu berücksichtigen. „Das bewilligte Sondervermögen mit den darin vorgesehenen 100 Milliarden Euro für Klimaschutzmaßnahmen schafft den finanziellen Rahmen für eine wirksame Förderung“, sagt Torsten Lütten, Präsident der DGS. Er regt an, sich an der Schweiz zu orientieren. Dort ist die Förderung von Solarthermie-Prozesswärmeanlagen ab 70 Kilowatt Nennleistung seit Anfang dieses Jahres in der Klimaschutz-Verordnung gesetzlich verankert.

Vorbildliche Förderung in der Schweiz

Die Schweiz sieht aktuell vor, Prozesswärmeanlagen besonders zu fördern. Als solche gelten Anlagen, die überwiegend Wärme für gewerbliche und industrielle Prozesse erzeugen. Gemäß der Schweizer Klimaschutz-Verordnung, die seit dem 1. Januar 2025 in Kraft ist, erhalten neue solarthermische Prozesswärme-Anlagen und Erweiterungen bestehende Anlagen eine Förderung. Die wichtigsten Bedingungen sind, dass die thermische Nennleistung größer als 70 Kilowatt ist und dass die Solarthermie-Anlage eine Heizöl- oder Erdgasheizung oder Elektrodirektheizung ersetzt. Zudem muss der Betreiber eine Anlagenüberwachung installieren und es müssen qualitätsgeprüfte Kollektoren sein.

Der Fördersatz beträgt laut Klimaschutz-Verordnung 2.400 Franken (ca. 2.515 Euro) Grundbeitrag sowie 1.000 Franken (ca. 1.048 Euro) pro Kilowatt thermische Kollektornennleistung. In der Verordnung über die Reduktion der CO2-Emissionen (kurz: CO2-Verordnung) in der Schweiz. Ist festgelegt, dass auch solarthermische Anlagen ab 20 Kilowatt Nennleistung zu den gleichen Bedingungen förderberechtigt sind.

Potenzial bei Großanlagen auch in Deutschland

Ende 2024 waren rund 2,59 Millionen Solarwärmeanlagen mit einer Brutto-Kollektorfläche von rund 21,82 Millionen Quadratmetern in Deutschland in Betrieb. Das größte Potenzial für den Zubau sehen Expert:innen in den Marktsegmenten der solaren Fernwärme und der industriellen Prozesswärme. So erzeugen laut Forschungsinstitut Solites aktuell 61 Solarthermie-Großanlagen mit insgesamt 173.275 Quadratmetern Bruttokollektorfläche CO2-freie Wärme für deutsche Fernwärmenetze. Diverse Großanlagen sind aktuell im Bau und in der Ausschreibung, immer mehr gehen in Planung. Das Stuttgarter Institut geht davon aus, dass sich die Anlagenzahl schnell verdoppeln könnte. Diese großen Solarthermie-Anlagen benötigen allerdings Fläche, die bislang nicht für sie vorgesehen war. „Daher sind die Priorisierung und die erhebliche Vereinfachung der Genehmigung der Anlagen dringend erforderlich“, so DGS-Präsident Lütten. „Die technisch ausgereifte Solarthermie kann einen wichtigen Beitrag zur raschen Dekarbonisierung der Wärmenetze leisten. Das Gleiche gilt für die Wärmeversorgung der Industrie.“

Der Fokus der Debatte liege derzeit zu sehr auf der Stromversorgung. „Immerhin macht Wärme mehr als die Hälfte des gesamten Endenergieverbrauchs in Deutschland aus“, sagt Lütten. „Das können wir nicht einfach alles mit Strom bereitstellen, sondern brauchen die Direktwärme aus der Kraft der Sonne. Solarthermie-Anlagen lassen sich übrigens hervorragend mit Wärmepumpen aller Größenordnungen kombinieren und tragen so zur Entlastung der Stromnetze und zur massiven Beschleunigung der Energiewende bei.“

Förderung von Solarthermie-Prozesswärmeanlagen bisher nicht ausreichend

Dass solarthermische Prozesswärmeanlagen wirtschaftlich sind, hat das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE in einer Ende 2024 veröffentlichten Studie ermittelt. Demnach sind solarthermische Anlagen zur Herstellung von Prozesswärme deutlich wirtschaftlicher als Erdgasanlagen. Allerdings entsteht die Wirtschaftlichkeit erst über lange Zeiträume von 25 bis 30 Jahren. Industriebetriebe rechnen jedoch mit Amortisationszeiten von wenigen Jahren. Daher benötigt die solare Prozesswärme die Förderung. In Deutschland fördert der Bund solarthermische Prozesswärmeanlagen bereits im Programm „Bundesförderung für Energie- und Ressourceneffizienz in der Wirtschaft“. Diese ist laut DGS-Präsident Lütten aber nicht ausreichend, um „mittelfristig wirksame wirtschaftliche, noch dazu volkswirtschaftlich sinnvolle Investitionen“ auszulösen.

Global gesehen steigt das Interesse an solarer Prozesswärme.

Quelle: DGS | solarserver.de © Solarthemen Media GmbH

Schließen